BoNT-Injektionen

BoNT-Injektionen

"BoNT". Diese Abkürzung steht für den Begriff Botulinum-Neurotoxin, wobei "Neurotoxin" wörtlich übersetzt und sehr zutreffend "Nervengift" bedeutet. "Botulus" ist das lateinische Wort für "Wurst". Mit dem Kürzel BoNT kennzeichnet man das höchstgefährliche Toxin der Wurst- oder Fleischvergiftung, welches sich zum Beispiel in alten, überlagerten Konservendosen bilden kann.

BoNT lähmt Muskeln, weil bestimmte Funktionen an den Nervenendigungen geschädigt werden. Von dort kann dann kein Impuls mehr auf den Muskel überspringen. In der Folge arbeitet der Muskel nicht mehr - so wie ein Elektromotor nicht mehr funktioniert, wenn das zuführende Stromkabel defekt ist. BoNT steht in der modernen Medizin als Injektionslösung zur Verfügung und wird vor allem in überaktive Muskeln gespritzt, um diese gezielt und optimal dosiert zu schwächen. Zum Beispiel bei Dystonien, jenen unwillkürlichen Bewegungen bei Augenlid- oder Gesichtskrämpfen, Schiefhals und dergleichen. Durch BoNT-Injektionen werden diese Bewegungen abgeschwächt, im günstigsten Fall sogar beseitigt.

Spastische Lähmungen sind Behinderungen mit einer Versteifung eines Arms und/oder Beins, häufig in der Folge von Schlaganfällen, aber auch nach Hirnverletzungen oder Schädigungen des Rückenmarks. Die Muskelverkrampfungen werden durch die BoNT-Einspritzungen aufgelockert. BoNT wird seit relativ kurzer Zeit erfolgreich bei der Behandlung der chronischen Migräne eingesetzt, falls die üblichen migränevorbeugenden Medikamente (vor allem Betablocker, Flunarizin, Topiramat, Valproat) versagt haben (weitere Informationen in der Rubrik „Chronische Migräne“). Übermäßige Schweißabsonderung z.B. im Achselbereich, an den Handflächen oder den Fußsohlen kann mitBoNT-Injektionengestoppt werden. Vermehrter Speichelfluss, unter dem viele Parkinson-Patienten leiden, wird durch den gezielten Einsatz von Botulinum-Neurotoxin unterdrückt. Falls sich bei depressiv Erkrankten eine oder mehrere steile Falten zwischen den Augenbrauen ausgeprägt haben, kann die einmalige, vorübergehende Glättung mit einer BoNT-Injektion zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung führen. Dieser Effekt ist wissenschaftlich belegt.

Hier verschafft die „Botox“-Behandlung, wie man sie aus der kosmetischen Medizin kennt, sozusagen im Nebeneffekt die Linderung seelischer Pein. Stressbedingte innere Anspannungen gelten als Auslöser erhöhter Muskelanspannung, die Ursache für körperliche Schäden sein kann. Man denke vor allem an das nächtliche Zähneknirschen und die daraus resultierenden Schäden an Zähnen und am Kiefergelenk. Die „Giftspritze“ kann helfen. Zur präzisen Steuerung der Injektionen verwende ich bedarfsweise mein Ultraschallgerät und/oder Spezialinjektionsnadeln, die mit einem EMG (das ist ein Muskel- und Nervenmessgerät) verbunden sind.

Die Wirkung von BoNT-Injektionen lässt in den meisten Fällen nach zirka drei Monaten nach, weil der Körper die durch die Injektion geschädigten Nervenfasern durch neue ersetzt. Ausnahme ist die Depression, hier reicht in aller Regel die einmalige Anwendung. Botulinum-Neurotoxin ist in Deutschland unter den Präparate-Namen Botox, Dysport, Vistabel oder Xeomin im Handel.